Herzenspost

Rückführungen faszinieren viele Menschen – und gleichzeitig gibt es oft Fragen oder Vorbehalte dazu. In diesem Interview teilt eine Klientin ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus einer Rückführung. Sie erzählt, was sie dazu bewegt hat, sich auf diese Reise einzulassen, wie sie den Prozess erlebt hat und welche Einsichten sie gewinnen konnte. Besonders spannend ist, wie sich diese Erlebnisse auf ihr heutiges Leben auswirken. 

Willst du dir das Interview lieber anhören, so hast du hier die Möglichkeit:

Manuela: Marion, ich freue mich sehr, dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt. Ich danke dir, dass du dir die Zeit nimmst, deine Erfahrungen zu teilen. Viele Menschen sind neugierig, wie so eine Sitzung abläuft und was dabei entstehen kann. Deshalb freue ich mich sehr, dass du bereit bist, über deine Eindrücke zu berichten. Gemeinsam werfen wir einen Blick darauf, was dich bewegt hat, was du erlebt hast und welche Bedeutung es für dich in deinem Leben hat.

Manche Menschen wollen einfach einmal eine Rückführung ausprobieren, weil sie neugierig sind. Zumeist ist der Anlass für eine Rückführung ein konkretes Problem, wie beispielsweise eine hartnäckige Blockade oder etwas, was sie in ihrem Leben immer wieder störend erleben, ohne dass sie es bisher vielleicht lösen können. Oft zeigt sich so etwas auch in ihren Beziehungen. Manche haben auch schon vieles probiert, doch das Thema blieb dann trotzdem hartnäckig. Marion, bitte erzähl uns mal, wie war das bei dir? Was hat dich dazu bewogen, eine Rückführung zu machen?

Marion: Es war tatsächlich ein konkreter Anlass, eine Situation, die ich immer wieder erlebt habe. Obwohl ich vieles ausprobiert und intensiv an den Themen gearbeitet hatte, war das sehr hartnäckig und hat mich immer wieder eingeholt – auch in schmerzhaften Kontexten. Irgendwann war für mich klar: Das ist nicht wirklich aus diesem Leben, das muss von woanders herkommen. Da wollte ich noch einmal tiefer tauchen. So war es eine schöne Gelegenheit, auf dich zuzukommen und zu fragen, ob wir uns das in einer Rückführung anschauen können.

 

Manuela: So eine Rückführung ist ja für viele eher etwas Fremdes, etwas Ungewöhnliches. Hattest du denn irgendwelche Bedenken oder Zweifel?

Marion: Ich hatte keine Bedenken, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass man sich vielleicht davor fürchtet oder bestenfalls einen hohen Respekt davor haben kann. Ich habe mal etwas Ähnliches vor vielen Jahren probiert. Das hatte so gar keine Wirkung auf mich. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass es in unserer Zusammenarbeit so viel bewirkt hat. Und ich bin mit einer guten Offenheit herangegangen.

Aber ja, aus meinem familiären Umfeld kamen Rückfragen wie: „Hattest du keine Angst, irgendwo zu landen, wo du nicht sein möchtest?“ Diese Fragen tauchen also schon auf. Aus meiner ganz eigenen, wirklich intensiven und mehrfach erlebten Erfahrung heraus, gab es nichts zu fürchten. Sondern es war sehr berührend, ein ganz besonders schönes Erlebnis und hat auch eine hohe Intensität gehabt.

 

Manuela: So eine Rückführung hat grundsätzlich eine bestimmte Struktur mit vorgegebenen Stationen. Klassisch bedeutet das, dass man jemanden zuerst tiefer in einen Entspannungszustand bringt, sodass er oder sie dann Zugang hat zu den Erinnerungen im Unterbewusstsein. Und da führt man dann über Erinnerungen aus der Kindheit und der Zeit im Mutterleib dann ins frühere Leben.

Aber manchmal sind das Thema und die Emotionen so präsent, dass unmittelbar Bilder und Szenen aus vergangenem Leben auftauchen. Du wirst dich vielleicht noch erinnern, in deinen beiden Rückführungen hast du sowohl das eine wie das andere erlebt. Du kennt beide Einstiege. Wie war das für dich?

Marion: Es war total spannend, weil die erste Frage war „Kann ich das überhaupt? Kann ich mich so entspannen und ist das denn nicht mein eigener Kopf?“ Oder dieses Zulassen von, ich entspanne mich jetzt einfach nur und dann schaue ich mal. Und dann waren das wirklich sehr unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten, die du mir da gezeigt hast. Und beide waren ganz leicht.

Vorher dachte ich, ich komme da gar nicht rein und ich bleibe im jetzigen Leben ohne irgendwelche Fantasiebilder. Trotzdem ist es gelungen, weiter und weiter zurück zu gehen und plötzlich bin ich wo gelandet. Das war wie selbstverständlich. Es war so etwas ganz Natürliches und wirklich absichtslos, dass ich plötzlich an einem Ort war. Mithilfe der Fragen, die da waren, war ich in richtig guter Begleitung.

Beim zweiten Mal führte die Rückführung über ein Kindheitserlebnis, dann als Neugeborenes und schließlich in den Mutterleib. Also es waren drei Situationen. In der ersten war ich drei Jahre alt. Da hatte ich keine bewusste Erinnerung mehr dran. Das war vom Gefühl so stark und so intensiv, dass ich einfach gespürt habe, das ist richtig. Trotzdem habe ich hinterher mit meiner Mutter gesprochen, um noch einmal zurückzufragen, ob die Erlebnisse, die ich da wahrgenommen habe, mit irgendetwas übereinstimmen, was sie weiß. Sie hat alles bestätigt. Das war schon erstaunlich. Es war wirklich sehr, sehr anders vom Einstieg und vom Gefühl. Es war beides wahnsinnig schön, tiefgehend und intensiv, das zu erleben.

 

Manuela: Mit einer Rückführung gehen wir auf eine innere Reise. Du hast gerade schon erzählt, es kommen tief verborgene Erinnerungen hoch und wir steigen dann in diese Situationen ein. Wir erleben sie neu, als wären wir mittendrin. Oder wir erleben sie auch aus der Distanz, als wären wir Zuschauer in einem Kinofilm. Wenn du dich noch einmal zurückerinnerst, wie hast du das erlebt? Welche Szenen, Gefühle oder Bilder sind dir während der Rückführung besonders in Erinnerung geblieben? Haben dich vielleicht sogar besonders berührt?

Marion: Ja, ich glaube, dieses Bild vom Kino beschreibt es ganz gut: sich darauf einzulassen, wie im eigenen Kino zu sitzen und den eigenen Film anzuschauen. Wenn man dieses Gefühl kennt, das einen bei einem Film bewegt, dann war es das genau. Es waren berührend schöne Herzensmomente, wo ich mit ganz viel Liebe angenommen und betrachtet wurde. Dieses Baden in diesem Gefühl war ganz stark und intensiv.

Da waren auch Erlebnisse im Vorleben, die nicht so schön waren oder die sehr herausfordernd waren. Da fand ich es besonders spannend, dass ich zwar das Leid gespürt habe und die Reaktion dazu, aber ich habe keinen körperlichen Schmerz empfunden, sondern es ist wie, wenn du im Kinofilm sitzt, du betrachtest das und das macht was mit dir. Diese Szene findet man jetzt eher nicht schön oder man sagt sogar, wow, das ist aber herausfordernd. Aber man sitzt nicht mit eigenen Schmerzen da drin. Man ist assoziiert und dissoziiert gleichermaßen.

 

Manuela: Kannst du uns in eine Szene hineinholen, die dich vielleicht besonders berührt hat? Gibt es so eine Szene?

Marion: Ja, ich kann auch gerne zwei Szenen nennen, Manuela, weil ich glaube, wenn man in die Bandbreite der Gefühle geht von schön und eben nicht leicht, dann sind beide Pole gut zu hören.

Eine Szene war mit mir als neugeborenes Kind. Davor kam eine schwierige, unerwünschte Schwangerschaft mit großen Herausforderungen. Ich lag als Neugeborenes in diesem Stubenwagen und habe den Blick der Großeltern in meine Augen erlebt. Das war unglaublich und unfassbar, mit wie viel Liebe sie mich in dieses Leben willkommen geheißen haben. Das war etwas sehr Neues, es war unfassbar, wie schön es war, willkommen geheißen zu sein in diesem Leben, ihre reine Liebe über den Blick von ihren Augen in meine Augen in diesem Moment zu erleben. Ich habe keine Ahnung mehr, wie lange wir diesen Moment miteinander genossen haben. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Ich vermute mal, dass wir alleine nur in diesem Moment und dieses Gefühl der überströmten Liebe vielleicht 10, 15 Minuten faktisch saßen. Gefühlt war das eine halbe Minute, aber es war, glaube ich, lange und nicht so kurz. Es war ganz schön, in diesem Moment zu baden. Das war ein großartiges Erlebnis.

Das andere war in einem vorherigen Leben. Da ist mir mehrfach sehr viel Ungutes angetan worden. Es war sehr unschön und sehr ungerecht. Nach meinem eigenen Tod in diesem Vorleben habe ich die Menschen gesehen, die mir das angetan haben. Wir haben eine Vergebungsübung gemacht und das war wunderschön. Es war vermutlich der emotionalste Moment der gesamten Rückführung und das intensivste Erlebnis, wirklich am Ende zu verzeihen, zu vergeben und all das wieder loslassen zu können, was belastend und unschön im Leben war. Ich glaube, das hat auch dazu beigetragen, das Thema letztendlich aufzulösen und es war unerwartet, dass es in diesem ganz letzten Schlussmoment beim Verzeihen, beim Vergeben diese große Intensität hatte.

 

Manuela: Da sind wir schon am Kern der Rückführung. Wenn es darum geht, in frühere Leben einzutauchen, dann geht es darum, die Wurzel eines Problems zu finden, es wahrzunehmen und es aufzulösen. Und auch darum, Parallelen zum aktuellen Leben zu erkennen. Wir fragen uns, was hat dieses frühere Leben mit meinem jetzigen Leben zu tun?

Wie ist es dir damit ergangen? Wenn du jetzt in dein aktuelles Leben schaust, was hat sich bei dir da gelöst? Oder was ist vielleicht doch noch offen geblieben? 

Marion: Ich bin in die erste Rückführung eingestiegen mit dem Thema: Ich fühle mich wirklich unglaublich umfangreich für ganz Vieles verantwortlich, für viele Herzensmenschen um mich herum, aber auch für Themen in der Arbeit. Dieses hohe Verantwortungsbewusstsein bringt mich oft an meine Grenzen, bis hin zu dem Umstand, dass ich auch Verantwortung übernehme in Bereichen oder für Menschen, denen das zu viel ist. Ich habe gespürt, ich lasse gar keinen Raum dem Gegenüber, also in meiner engen Familie, aber auch im beruflichen Umfeld, weil ich glaube, alles selbst bewältigen zu müssen. Spannend war, dass sich am Ende des ersten Lebens gezeigt hat, es gibt noch zwei weitere Leben zu dieser Thematik, um das wirklich aufzulösen. Kurz danach hatte ich im Alltag genau damit Konfrontationen. Ich musste schmunzeln, habe noch einmal Vergebungsarbeit gemacht und gewusst: Das darf ich jetzt verändern und anders angehen. Nach der zweiten Rückführung hat sich noch einmal gezeigt, da fließt noch ein weiteres Thema ein.

Am Ende eines Lebens – das war auch ganz spannend für mich – schaut man ja auch noch einmal zurück: Worum ging es denn eigentlich in diesem Leben? Ich habe gemeint, es ging wieder darum, Verantwortung zu übernehmen. Doch plötzlich habe ich gemerkt, darum ging es gar nicht. Das ist ein ganz kleines Thema in einen viel größeren Kontext eingebettet. Es geht darum, mit liebevollen, ausgeglichenen Perspektiven die Themen anzuschauen. Das ist jetzt ein bisschen aus dem Kontext gerissen, aber ich habe einfach gemerkt, das Thema ist eigentlich gar nicht sehr relevant.

Nach dieser zweiten Rückführung hatte ich noch zwei, drei Situationen, die sich in meinem Leben gezeigt und sich dann positiv aufgelöst haben, wo ich ganz neue Erlebnisse hatte und ganz andere Reaktionen, aber auch ich selber anders agiert habe. Ich habe im Moment gerade das Gefühl, das spielt nicht mehr wirklich eine Rolle in meinem Leben. Da darf jetzt der Rest davon abheilen und gehen und ich brauche nichts mehr dafür zu tun.

 

Manuela: Hat dich das überrascht?

Marion: Ja, ich finde schon. Wenn die Sachen sich dann so von ganz alleine auflösen, ohne eigenes Zutun, ohne eigenes Vertiefen oder noch einmal Dranbleiben, sondern das darf wie so eine Wolke im Wind dahinziehen und man findet es gar nicht mehr, weil man sich umschaut und denkt, wo ist es denn, wo ist es denn? Und es ist wirklich nicht mehr da. Das fand ich schon überraschend.

 

Manuela: Es ist ganz unterschiedlich, wie schnell sich die Auswirkungen einer Rückführung zeigen. In der Regel löst sich sofort in der Sitzung etwas auf. Bei dir ist es ja sehr schnell gegangen. Manchmal löst sich auch nach Wochen oder Monate etwas. Da kann man immer noch neue Erkenntnisse bekommen.

Eine Rückführung bei jemandem zu machen, ist natürlich auch immer ein Vertrauensbeweis. Klienten kommen mit sehr persönlichen Themen. Um zu guten Lösungen zu kommen, braucht es natürlich Offenheit und eben Vertrauen. Wenn du dich jetzt an die beiden Sitzungen zurückerinnerst, wie hast du die Begleitung durch mich während der Rückführung erlebt?

Marion: Was dir wirklich gut gelingt, Manuela, ist, einen Raum zu halten. Was heißt das eigentlich? Ich kann sagen, ich habe mich sehr sicher gefühlt. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich habe mich sehr begleitet gefühlt. Es gab nichts zu tun für mich. Ich wusste, ich bin in einem geschützten, sicheren Raum, in dem ich einfach sagen kann, was ich gerade höre, sehe, wahrnehme und fühle. Ich brauche jetzt nichts Weiteres dazu tun, damit diese Sitzung irgendwie ihren Lauf nimmt. Sondern es kam immer an der perfekten Stelle irgendeine begleitende Frage. Manchmal war es schon fast spannend, denn ich hatte eine Frage im Kopf und das war dann die Frage, die du gestellt hast. Dafür war ich immer ganz dankbar. Du hast die Führung sehr schön übernommen.

Ich erinnere mich, bei der ersten Rückführung ist dir beim Abschlussgespräch aufgefallen, dass es doch noch nicht ganz zu Ende war. Wir sind noch einmal ein Stück zurückgetaucht und haben einen fehlenden Seelenanteil integriert. Auch das war noch einmal ein Highlight und ein ganz intensiver, berührender und erleichternder Moment, sodass ich wirklich gespürt habe, du übernimmst Führung, ohne mich einzuschränken. Also indem du mir einfach den Raum hältst, mich dort selber zu zeigen oder auszuweiten und ich aber geführt bin mit allen Freiräumen und Möglichkeiten, die ich dann dort nutzen kann. Das war ein sehr großes Wohlfühlgefühl.

 

Manuela: Damit komme ich jetzt schon zur letzten Frage, zur Abschlussfrage. Du hast vor der Rückführung auch schon viel anderes ausprobiert. Was würdest du sagen, zeichnet eine Rückführung gegenüber anderen Methoden aus?

Marion: Also, ich glaube – ohne Expertin zu sein – es ist schön, wenn man ein konkretes Thema mitbringt. So wird es greifbarer, und man kann leichter eintauchen. Es kann auch hilfreich sein zu wissen: Das darf ein Thema sein, das ich mit meinen „normalen Methoden“, mit denen ich sonst meine Muster oder Glaubenssätze auflöse, nicht loswerde. Dann ist es gut, wenn ich spüre, da gibt es etwas – etwas, das vielleicht von woanders herkommt. In so einem Fall finde ich es großartig, in eine Rückführung hineinzugehen.Auch für alle, die einfach neugierig sind, warum sie an bestimmten Punkten festhängen, nicht weiterkommen oder sagen: „Ich komme nicht in meinen Fluss, nicht in meine Ressourcen oder Möglichkeiten hinein“, kann es sehr spannend sein, sich das in einer Rückführung anzuschauen.

 

Manuela: Gut, dann sage ich ganz herzlichen Dank, Marion, für das Gespräch, für deine Offenheit, vor allem für den Einblick, den du in dein Erleben gegeben hast, in eine Rückführung und auch, wie sich das jetzt in deinem Leben auswirkt. Ich danke dir, Marion, für das Gespräch.

Marion: Von Herzen gerne, liebe Manuela und an alle, die das mal nutzen werden, ihr könnt euch sehr darauf freuen.

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